29. Oktober 2026

Wenn die KI ans Telefon geht und Kunststoffe grüner macht

Elisabeth Hirtl

Co-Gründerin

elisabeth@wunder-raum.ch
+41 55 415 70 00
2026.10.29 Impulsraum

Drei Start-ups, drei Geschäftsideen und ein gemeinsamer Nenner: Künstliche Intelligenz. An der zehnten Ausgabe des ImpulsRaums im Wunderraum in Pfäffikon zeigte sich, wie vielseitig KI eingesetzt werden kann. Und weshalb der Mensch dabei unverzichtbar bleibt.

Von Claudia Hiestand

Margrit ist eine ausgesprochen zuverlässige Mitarbeiterin. Sie ist rund um die Uhr erreichbar, spricht Schweizerdeutsch und wird nie müde. Margrit ist allerdings kein Mensch, sondern eine KI-Telefonistin. Entwickelt hat sie das Start-up Haimat, eines von drei jungen Unternehmen, die sich an der zehnten Ausgabe des ImpulsRaums im Wunderraum in Pfäffikon präsentierten. Die Geschäftsideen könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Haimat den Kundenservice von KMU verbessern will, entwickelt J²MG eine Alternative zu erdölbasierten Stoffen in Kunststoffen. Das dritte Start-up, myHLTH, möchte die Gesundheitsvorsorge einfacher und günstiger machen. Alle drei setzen dabei auf künstliche Intelligenz.

 

Wenn die Routinearbeit plötzlich wegfällt

Dass KI nicht nur neue Geschäftsideen ermöglicht, sondern auch bestehende Geschäftsmodelle grundlegend verändern kann, zeigte das eingangs gehaltene Impulsreferat von Daniela Sandmann, Julien Ben Hamida und Maria Bassi, CEO von ACC Treuhand. Das Treuhandunternehmen aus Pfäffikon hat mit Carl einen digitalen Assistenten entwickelt, der wiederkehrende Arbeiten in der Buchhaltung automatisiert. Belege werden laufend verarbeitet, Buchungen und Lohnabrechnungen weitgehend automatisch erledigt. Die Fachpersonen können sich stärker auf Beratung und komplexe Fragen konzentrieren. Doch wenn weniger Arbeitsstunden anfallen, funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell mit Stundenhonoraren nicht mehr wie bisher. Deshalb setzt Carl auf feste Abopreise. Die Botschaft des Referats: KI verändert nicht nur, wie Unternehmen arbeiten, sondern unter Umständen auch, womit sie ihr Geld verdienen.

Eine Telefonistin, die niemals Feierabend macht

Zurück zu Margrit. Wer in einer Garage arbeitet, kennt das Problem: Das Telefon klingelt, während man gerade unter einem Auto liegt. Geht man ran, muss man die Arbeit unterbrechen. Geht man nicht ran, verliert man möglicherweise einen Auftrag. Genau hier setzt Haimat an. Joel Reichmuth, Mitgründer und Geschäftsführer der Haimat GmbH in Lauerz, stellte eine KI-Telefonistin vor, die Anrufe entgegennimmt, Fragen beantwortet, Termine vereinbart oder verschiebt und Nachrichten an das Team weiterleitet. Das alles auf Schweizerdeutsch und auch ausserhalb der Geschäftszeiten. Die bestehende Telefonnummer bleibt erhalten. Unternehmen entscheiden selbst, welche Aufgaben die digitale Assistentin übernehmen darf. Haimat richtet sich insbesondere an kleinere und mittlere Unternehmen, die ihre Erreichbarkeit verbessern und ihre Mitarbeitenden entlasten möchten. Die Lösung wird bereits in verschiedenen Branchen eingesetzt, darunter in Arztpraxen, Treuhandbüros und Finanzberatungen. Die grösste Herausforderung sieht Reichmuth weniger in der Technik als im Vertrauen. Denn nicht alle Unternehmen können sich bereits vorstellen, ihre Kundschaft von einer KI begrüssen zu lassen.

 

Weniger Erdöl dank Biologie und KI

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Jakub Lapinski aus Küssnacht. Der Polymerchemiker hat J²MG Nanocomposites gegründet und möchte einen kleinen, aber wichtigen Bestandteil von Kunststoffen verändern. Kunststoffe enthalten häufig mineralische Füllstoffe, beispielsweise fein gemahlenes Gestein. Damit sich diese Mineralien gut mit dem Kunststoff verbinden, braucht es spezielle chemische Stoffe, die aus Erdöl und anderen kritischen Rohstoffen hergestellt werden. Lapinski entwickelt ein biologisches Verfahren, das diese Stoffe ersetzen soll. Vereinfacht gesagt lässt er eine Art Verbindungsschicht direkt auf den Mineralien wachsen. Damit könnten Kunststoffe künftig mit weniger erdölbasierten Zusätzen hergestellt werden. Lapinski baut sein Unternehmen bisher allein auf und nutzt KI als Unterstützung. Sie hilft ihm bei der Recherche, bei Berechnungen, der Planung von Experimenten und der Auswertung von Laborergebnissen. Die ersten Versuche sind vielversprechend, ein Schweizer Patent wurde kürzlich angemeldet. Allerdings kennt Lapinski auch die Grenzen der Technologie. KI liefert mitunter falsche Informationen oder erfindet sogar Fakten. Deshalb gilt für ihn: Die KI macht Vorschläge, wissenschaftliche Belege entscheiden.

Gesundheitsvorsorge für zu Hause

Nicht erst handeln, wenn man krank ist, sondern gesundheitliche Risiken möglichst früh erkennen: Das ist die Idee von myHLTH. Rebekka Hofmann, Mitgründerin und CEO des Bächer Start-ups, möchte eine umfassende Gesundheitsvorsorge ermöglichen, die für breite Bevölkerungskreise erschwinglich ist. Dazu hat myHLTH ein System entwickelt, mit dem Menschen ihre Gesundheit daheim überprüfen können. Verschiedene Messgeräte und eine App erfassen derzeit rund 40 Gesundheitsparameter. Dazu gehören unter anderem Schlaf, Ernährung, Muskelkraft oder Herz-Kreislauf-Gesundheit. Die Ergebnisse werden ausgewertet und in verständlicher Form dargestellt. Auf dieser Grundlage erhalten die Nutzenden persönliche Empfehlungen, wie sie ihre Gesundheit verbessern und Risiken reduzieren können. Ein KI-gestützter Gesundheitscoach begleitet sie bei der Umsetzung. So behalten die Nutzenden ihre Gesundheit langfristig im Blick. Sie können bei ersten Warnsignalen frühzeitig reagieren und eine ernsthafte Erkrankungen im besten Fall abwenden.

 

Der ImpulsRaum machte deutlich, wie vielfältig KI bereits eingesetzt wird. Ob am Telefon, im Forschungslabor oder bei der Gesundheitsvorsorge: Die Technologie kann viel bewegen. Entscheidend bleibt aber, was Menschen daraus machen.

 


 

Zehn Ausgaben und dreissig Geschäftsideen

Mit der diesjährigen Ausgabe feierte der ImpulsRaum ein kleines Jubiläum. Seit dem Start im Jahr 2018 haben sich insgesamt 30 Start-ups präsentiert. Für manche war es der erste Auftritt vor einem grösseren Publikum. Was als Plattform für junge Unternehmen begann, hat sich zu einem erfolgreichen Treffpunkt für die regionale Wirtschaft entwickelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Wunderraum. Der Coworking Space bietet nicht nur Platz zum Arbeiten, sondern schafft auch Gelegenheiten, bei denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ideen und Perspektiven zusammenkommen. Beim ImpulsRaum geschieht das ganz bewusst: Junge Unternehmen aus dem Kanton Schwyz und den angrenzenden Kantonen erhalten eine Bühne, erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer bringen ihr Wissen ein. Aus Fragen entstehen Gespräche, aus Gesprächen vielleicht neue Kontakte und Partnerschaften. Die Veranstalter hinter dem ImpulsRaum sind nebst dem Wunderraum Schwyz Next und die Wirtschaftsförderung Höfe.

 


 

Bilder zum ImpulsRaum 2026 sind in unserer Galerie.

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